„Religionsfriede statt Kulturkampf“(1)

1 12 2009

Über die Herausforderung(en) des 21. Jahrhunderts und warum es ein schlechtes Zeichen ist gerade jetzt in der Schweiz den Bau von Minaretten zu verbieten.

Gestern wurde mit einer Zustimmung von 57,5% der Satz

„Der Bau von Minaretten ist verboten.“ (Seit dem 30.11.2009 – Artikel 72  der Schweizer Verfassung)

im Zuge einer Bürgerinitiative in die Verfassung der Schweiz integriert. Die ersten Parteien haben bereits Verfassungsklage angekündigt. Europa ist entsetzt und gelähmt – die Rechten jubeln, der Rest fasst sich an den Kopf und fragt sich „Wie konnte das nur passieren?“

Diese Frage schoss auch mir gestern durch den Kopf als ich auf n24.de vollkommen ahnungslos und tief geschockt las: Schweizer verbieten Minarettbau! Es ist zwar verständlich, dass viele Europäer Angst vor den Muslimen haben oder sogar wütend auf sie sind, da sie sie für die Terroranschläge und andere radikal-islamische Aktionen verantwortlich machen. Doch gerade hier muss eine Verallgemeinerung verhindert werden: Eine kleine Gruppe radikaler Extremisten – die hauptsächlich in Afghanistan und Pakistan sitzt – erschießt deutsche Soldaten oder fliegt Flugzeuge in Hochhäuser. Die Mehrheit der Muslime in Europa lebt friedlich Seite an Seite mit Christen, Atheisten und Juden. Auch die Angst vor den Anderen ist meiner Meinung nach vollkommen unbegründet und entbehrt jeder Grundlage. Wenn der Islam und das europäische Christentum sich  zusammen an einen Tisch setzen und auf gleicher Augenhöhe ein Gespräch führen, werden sie wahrscheinlich merken, dass sie gar nicht so verschieden sind. Denn im Europa des 21. Jahrhunderts leben nun mal Angehörige aller Kulturen und Religionen, die multikulturelle Gesellschaft ist das Europa der Gegenwart und vor allem der Zukunft.

aaaaaaaaaaaaaaaargh

Doch um ein friedliches Zusammenleben zu garantieren müssen in den nächsten Jahren die Grundsteine dafür gelegt werden. Die großen Weltreligionen und Nationen – vor allem aber die westliche und die östliche/ asiatische Welt – müssen als gleichberechtigte Partner über die Zukunft unseres Miteinanders verhandeln. Und als Grundlage für diese Verhandlungen, die bereits in naher Zukunft geführt werden müssen. Ist ein Minarettverbot in der Schweiz eine denkbar schlechte Grundlage. Vor allem weil es – meiner Meinung nach – ein falsches Zeichen setzt. Wir erwarten von den Muslimen, dass sie sich anpassen und integrieren, sind aber im Gegenzug nicht bereit den ersten Schritt zu tun oder mit gutem Beispiel voranzugehen. Dabei kann Integration nur in beidseitigem Einvernehmen funktionieren. Denn Integration heißt, dass beide Kulturen ein Stück ihrer Identität aufgeben müssen, um mit der anderen Kultur zu interagieren und mit ihr gut auszukommen. Und Integration heißt – nach meinem Verständnis – nicht wir warten bis der andere den ersten Schritt tut oder erwarten, dass die Türken erst ihre Christenverfolgung einstellen, bevor wir den Minarettbau wieder zulassen. Sondern Integration bedeutet für mich: wir gehen mit gutem Beispiel voran und legen das Fundament für ein neues, multikulturelles und buntes Europa. Das heißt konkret, dass wir den Muslimen ihre Religion und ihre vollkommene Ausübung – inklusive Minarett, Muezzin und Burka – freistellen, dabei aber auch auf sie zugehen und mit ihnen in Dialog treten. Dass wir im Dialog Möglichkeiten finden die Integration von beiden Seiten voranzutreiben und zusammen zu einem guten und für beide Parteien befriedigendem Ergebnis kommen. Denn im Dialog mit den Muslimen werden wir feststellen, das der Islam gar nicht so anders ist als das Christentum und das Integration so einfach sein kann wenn beide Seiten an einem Strang ziehen!!!

Wenn das geschieht, dann sehe ich im Jahr 2022 ein buntes und multikulturelles Europa der verschiedenen Religionen und Nationalitäten. Doch wenn die Chance jetzt vertan wird, dann werden wir in 13 Jahren noch immer Angst vor den Muslimen haben und dann werden die Europäer auch in 13 Jahren noch über Koranverbote oder die Wiedereinführung der Judensterne diskutieren.

mb

(1) = Der Titel ist einem Plakat der FDP, Schweiz entnommen.

(2) = Das Bild besteht aus folgenden Einzelbildern:

WICHTIG: Die Urheber der einzelnen Bilder/ Plakate konnten leider nicht ermittelt werden – der Autor dieses Artikels erhebt keinen Anspruch auf irgendwelche Rechte an den Einzelbildern.

Advertisements